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07.01.2009

(HEIM)KINO-HIGHLIGHTS 2008


KINO

Allen negativen Stimmen zum Trotz darf man 2008 durchaus als gutes Kinojahr bezeichnen, dass sich vor allem durch Vielfalt auszeichnete. Die Oscarverleihung war wieder einmal halbwegs spannend und auch aus Europa kamen einige interessante Filme. Hier sind meine persönlichen Favoriten des abgelaufenen Jahres:


DER BAADER MEINHOF KOMPLEX

Erfolgsproduzent Bernd Eichinger hat sich einem weiteren Kapitel deutscher Geschichte gewidmet und erneut bewiesen dass es möglich ist, massenkompatibles Unterhaltungs- und anspruchsvolles Qualitätskino zu verbinden.
 
GEFAHR UND BEGIERDE

Nach "Tiger & Dragon" und "Brokeback Mountain" ein weiteres Meisterwerk von Ang Lee. Ein elegant gefilmter Spionagethriller voll knisternder Erotik, in Venedig zurecht mit dem "Goldenen Löwen" ausgezeichnet.
 
SCHMETTERLING UND TAUCHERGLOCKE

Die ergreifende wahre Geschichte des ehemaligen "Elle" Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby wurde von Julian Schnabel künstlerisch einfallsreich umgesetzt.
 
CONTROL

Tolle Bilder durfte man beim Regiedebüt des Fotografen Anton Corbijn erwarten. Nicht jedoch dass die Verfilmung des kurzen Lebens von "Joy Division" Sänger Ian Curtis derartig berührt.
 
VICKY CRISTINA BARCELONA

Das Kinojahr 2008 war schon fast vorbei und dann kam mitten im Winter noch eine wunderbar lockere Sommerkomödie von Altmeister Woody Allen.

 
HEIMKINO

Im Heimkinobereich hat sich die Blu Ray Disc 2008 endgültig als Nachfolgeformat der DVD etabliert. Hier fünf Neuerscheinungen auf DVD und Blu-Ray die in allen Bereichen (Film, Bild- und Tonqualität, Aufmachung, Extras) voll überzeugen konnten:

         
             
Der Pate Trilogie: The Coppola Restoration (DVD und Blu Ray) - Paramount Home Video   2001 - Odyssee im Weltraum: Special Edition (DVD und Blu Ray) - Warner Home Video   Casablanca: Ultimate Collector's Edition (Blu Ray) - Warner Home Video   Ausser Atem: Arthaus Premium (DVD) - Arthaus/Kinowelt   La Notte (DVD) - Eureka/Masters of Cinema, UK-Import  
 
 
15.09.2008

ANDREAS ÖTTL PRÄSENTIERT: 10 LIEBLINGSFILME


Nach vielfachem Kundenwunsch habe ich das schier unmögliche Unterfangen gestartet, eine Liste mit meinen 10 persönlichen Lieblingsfilmen zusammenzustellen - diese ist jetzt pünktlich zum einjährigen Filmgalerie-Jubiläum fertig geworden. Das Schwierige dabei war, zahlreiche Favoriten auszuscheiden und sich auf lediglich 10 Filme zu beschränken.
So bedaure ich es natürlich dass es großartige Filme wie etwa "Der Stadtneurotiker", "The Last Picture Show", "La Dolce Vita", "Blow-Up" und "Der Leopard" knapp nicht in meine Liste geschafft haben.


CASABLANCA
USA 1942, Regie: Michael Curtiz

Der Klassiker unter den Filmklassikern und für mich einer der besten Hollywood-Filme aller Zeiten. Unvergessliche Momente und Dialoge sowie ein großartiges Schauspieler-Ensemble. Ein Film, der niemals altern wird. Ganz im Gegenteil: As time goes by, Casablanca just gets better!
 
SIE KÜSSTEN UND SIE SCHLUGEN IHN /
LES 400 COUPS

Frankreich 1959, Regie: Francois Truffaut

Der wahrscheinlich beste Debütfilm aller Zeiten vereint alles was Autorenkino ausmacht. Persönlicher, authentischer und sensibler kann Kino nicht sein. Um einen Kritiker der "Cahiers du Cinema" zu zitieren: dieser Film ist kein Meisterwerk - er ist mehr als das.

 
À BOUT DE SOUFFLE / AUSSER ATEM
Frankreich 1960, Regie: Jean-Luc Godard

Der Film, der das Kino weltweit revolutioniert und beeinflusst hat wie kaum ein Anderer. Das genaue Gegenteil der Hollywood-Filme dieser Zeit: spontan, frisch und nicht perfekt – dafür aber um ein Vielfaches charmanter. Jean-Paul Belmondo und Jean Seberg werden auf ewig Ikonen der Jugend bleiben und auch Godard hat sich mit seinem Spielfilmdebüt seinen Platz im Filmolymp gesichert.
 
L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD / LETZTES JAHR IN MARIENBAD
Frankreich 1961, Regie: Alain Resnais

Wer jemals Zweifel daran hatte dass Film eine Kunstform ist, sollte sich diesen Meilenstein des französischen Kinos ansehen. Ein faszinierendes Verwirrspiel, so traumhaft schön gefilmt das man dabei fast auf die komplexe Handlung vergisst. Ein Film wie ein Traum, den man nicht gänzlich verstehen sondern nur erleben kann.
 
LA NOTTE / DIE NACHT
Italien 1961, Regie: Michelangelo Antonioni

Für mich der Höhepunkt von Antonioni’s Meisterwerken aus den 60er Jahren. Eine unglaublich dichte Atmosphäre, psychologischer Tiefgang und grandiose Bildkompositionen von Gianni di Venanzo. Darüber hinaus vereint der Film mit Marcello Mastroianni, Jeanne Moreau und Monica Vitti die damalige europäische Schauspielelite.
 
THE GRADUATE / DIE REIFEPRÜFUNG
USA 1967, Regie: Mike Nichols

Kaum je hat eine Filmfigur jugendliche Orientierungslosigkeit besser ausgedrückt als Dustin Hoffman’s Ben Braddock. Auch die ironisch-bissige Darstellung der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft ist unübertroffen. Doch trotz aller Untertöne ist der Film mit einer unglaublichen Leichtigkeit inszeniert. Wenn Ben in seinem Alfa Spider zur Musik von Simon & Garfunkel über die Freeways braust, dann spürt man förmlich den Fahrtwind.

 
A CLOCKWORK ORANGE / UHRWERK ORANGE
Großbritannien 1971, Regie: Stanley Kubrick

Aus Kubrick’s vielfältigem Gesamtwerk einen Favoriten zu picken ist immer schwierig aber für mich ist und bleibt es „A Clockwork Orange“. Der umstrittene Kultfilm ist heute noch genauso provokant und verstörend als vor mittlerweile fast 40 Jahren. Und heute vielleicht aktueller als je zuvor. Auch visuell bahnbrechend und absolut einzigartig. Und dann noch die unübertreffliche Musik von Ludwig Van.
 
AMADEUS
USA 1984, Regie: Milos Forman

Historisch nicht korrekt, in Prag statt in Wien gedreht, mit großteils unbekannten Schauspielern – aber dennoch: ein absolut perfekt gemachter Film, fesselnd von der ersten bis zur letzten Minute. Milos Forman’s Meisterwerk hat alle seine 8 Oscars mehr als verdient. Ein audiovisueller Hochgenuss!

 
GOODFELLAS
USA 1990, Regie: Martin Scorsese

Als ich Martin Scorsese’s grandiosen Mafiafilm im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal sah, wollte ich am liebsten selbst Gangster werden. Dazu ist es (zum Glück) nicht gekommen, aber die Faszination für diesen Film ist immer noch da. Scorsese’s mit viel Liebe zum Detail erzählte Geschichte ist vor allem deshalb so gut weil man spüren kann wie gut Scorsese das Milieu und seine Figuren kennt – und in gewisser Weise auch respektiert.
 
DAS LEBEN DER ANDEREN
Deutschland 2006, Regie: Florian Henckel von Donnersmarck

Nach starken, auch international beachteten Filmen wie “Der Untergang” und “Sophie Scholl” folgte 2006 der vorläufige Höhepunkt des neuen deutschen Filmwunders. Das Regiedebüt von Florian Henckel von Donnersmarck ist ein in jeder Hinsicht brillianter Film, vom Drehbuch bis zur penibel genauen Ausstattung und den großartigen Darstellern. Besonders Ulrich Mühe ist in seiner letzten Rolle sehr eindrucksvoll.
 
 
 
19.05.2008

FRANKLY, MY DEAR, I DO GIVE A DAMN!


Ein Plädoyer für die Originalsprache
Von Andreas Öttl

Als erstes Thema meiner neuen Filmkolumne möchte ich etwas ansprechen dass mir selbst sehr am Herzen liegt: das leidige Thema der Synchronisation von Filmen für den deutschen und österreichischen Markt. Zum Glück gibt es ja mittlerweile bei fast allen DVDs auch die Originalversion, welche es Cineasten ermöglicht, Filme in Originalversion zu sehen aber nichtsdestotrotz ist es sehr schade dass dem Massenpublikum im Kino und Fernsehen nach wie vor die Originalsprache vorenthalten wird.

Beginnen tut das Ganze schon bei der Übersetzung von Filmtiteln die sich eigentlich nicht übersetzen lassen. Aus „The Cider House Rules“ wird plötzlich „Gottes Werk und Teufels Beitrag“, aus „In My Father’s Den“ der irreführende Titel „Als das Meer verschwand“. Auch Klassiker blieben nicht verschont: aus „My Darling Clementine“ wurde „Faustrecht der Prärie“ und der deutsche Titel von Antonioni’s „L’eclisse“ ist schlicht und einfach „Liebe 1962“. Was sich der deutsche Verleih dabei gedacht hat, bleibt wohl für immer ungeklärt…

Wozu eigentlich das Ganze? Um ausländische Kulturgüter – und als solches sind fremdsprachige Filme durchaus zu sehen – einzudeutschen? Niemand würde auf die Idee kommen, eine Verdi-Oper auf Deutsch aufzuführen. Außerdem leben wir in einem Vereinigten Europa wo viele verschiedene Sprachen und Kulturen nebeneinander existieren. Das Synchronisieren von ausländischen Filmen zerstört deren künstlerische Identität und macht viel von der Authentizität zunichte, den diese Filme vermitteln. Allein bei englischsprachigen Filmen gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Dialekte die durch die Synchronisation total verloren gehen und einfach in Hochdeutsch umgewandelt werden. Darüber hinaus leidet auch die Atmosphäre: Originaldialoge werden meist direkt am Set aufgenommen während die deutschen Synchronfassungen nachträglich im Tonstudio aufgenommen werden.

Vor allem kleinere europäische und asiatische Filme, deren Produktionsfirmen sich oft keine guten Synchronsprecher leisten können, sind von der Synchronisation besonders betroffen. Aber auch Hollywoodfilme und Klassiker leben von den Originalstimmen der Stars. Wenn Gloria Swanson in „Sunset Boulevard“ ihre berühmte Line „Mr. De Mille, I'm ready for my close-up“ abliefert, wird dies in der deutschen Synchronfassung ebenso verfremdet wie Humphrey Bogarts "Here's lookin' at you, kid" in Casablanca. Solche Filme in deutscher Synchronfassung zu zeigen ist eigentlich eine Sünde.

Das generelle Aufführen von fremdsprachigen Filmen in Originalsprache mit Untertiteln im Kino wäre ein mutiger erster Schritt. Es würde zwar das Massenpublikum erst einmal vor den Kopf stoßen und möglicherweise auch Proteste nach sich ziehen aber wenn sich die Leute erst einmal daran gewöhnt hätten, würden sie es – wie die Beispiele in vielen Ländern zeigen – als ganz normal akzeptieren.

Ein positiver Nebeneffekt wäre dass die Bevölkerung ganz automatisch Fremdsprachen lernen würde was eine kulturellen Bereicherung wäre und auch der Wirtschaft (durch besser qualifizierte Arbeitskräfte) helfen würde. Nicht umsonst haben die skandinavischen Ländern – wo Filme generell nicht synchronisiert werden - bei der viel zitierten PISA-Studie viel besser abgeschnitten als Deutschland und Österreich.

Nicht zuletzt würde die Beibehaltung der Originalsprache bei ausländischen Filmen auch der heimischen Filmwirtschaft zu Gute kommen. Wenn alle ausländischen Filme – also auch amerikanischer Herkunft – in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt werden würden, würden die Leute automatisch mehr österreichische (und deutsche) Filme sehen wollen da dies ja dann die einzige Möglichkeit wäre, einen Film in deutscher Sprache zu sehen.

In den USA werden beispielsweise alle ausländischen Filme ausnahmslos mit Untertiteln gezeigt weshalb viele Amerikaner diese Filme von vornherein meiden. Eine gesetzlich verpflichtende Ausstrahlung von ausländischen Filmen in Originalsprache wäre eine wirksame Maßnahme gegen die Dominanz des Hollywood-Kinos.

Im Internet gibt es eine Initiative gegen die Synchronisation von Filmen im Kino und Fernsehen. Wer sich informieren möchte oder sich selbst als Unterstützer eintragen möchte, dem sei folgender Link ans Herz gelegt: http://gegen-synchro.de/
       
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